Weg vom Strickmuster „Spruchband plus Blockfahne“

Faszination Fankurve 26.05.2008 0 Kommentare

Foto: PLU

Mit dem Pokalfinale hatten die Fans des BVB einen Saisonhöhepunkt, sonst herrschte sportliche Tristesse. Ob sich das auf die Ränge niedergeschlagen hat und was die Szene sonst bewegt hat, erzählt The Unity Vorsänger „Wolle“ im Interview.

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Stadionwelt: Höhepunkt der abgelaufenen Saison war sicherlich das Pokalfinale gegen Bayern in Berlin, oder?
Wolle: Oh ja, bis auf das Endergebnis war es ein grandioser Tag. Rund um die Gedächtniskirche hat sich die gesamte Szene getroffen. Viele alte Gesichter sind wieder aufgetaucht, die man lange nicht mehr gesehen hat. An dem Tag haben alle richtig Gas gegeben, alle waren richtig heiß. Ich denke, dass das mit die beste Stimmung der letzten 20 Jahre war.

Stadionwelt: War es tatsächlich so gut?
Wolle: Ja. Es waren zwar ein bisschen erschwerte Bedingungen alle anwesendenden Borussen zu erreichen, grade durch die Trennung durch das Marathontor. Bei „Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz” zum Beispiel, was viele aus der Szene eigentlich gar nicht mehr hören können, haben alle Borussen mitgesungen. Gänsehaut pur! So konnte selbst das Marathontor überbrückt werden, was sonst nur unsere Wechselgesänge geschafft haben. Die Umsetzung der Choreo beim Finale war nicht so gelungen, auch wenn die Idee OK war. Alles in allem war sie einfach zu klein für die große Kurve berechnet. Unser ursprüngliches Vorhaben hätte vermutlich besser ausgesehen, aber Choreos sind ja sowieso nicht das Wichtigste.

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Halbfinale im DFB-Pokal gegen Jena.
Bild: PLU

Stadionwelt: Ebenfalls klein, dafür aber sehr fein, war die Choreo beim Halbfinale gegen Jena.
Wolle: Schon beim Viertelfinale gegen Hoffenheim haben wir ein bisschen experimentiert. Es ging darum zu sehen, ob eine kleine Aktion auf der riesigen Dortmunder Südtribüne überhaupt Wirkung erzielen kann. Als wir gesehen haben, dass es funktioniert, haben wir uns für die Jena-Choreo entschieden. Das war die erste von uns, die komplett mit Bewegung gemacht worden ist. Die verschiedenen Teile wurden an Strippen hochgezogen. Um ehrlich zu sein, habe ich selten soviel Resonanz auf eine Aktion bekommen. Wir haben uns vorgenommen, auch zukünftig ein wenig von dem mittlerweile recht langweiligen Strickmuster Spruchband plus Blockfahne wegzugehen.

Stadionwelt: Nach dem Marsch vor dem Heimspiel gegen Schalke habt Ihr eine Stellungnahme abgegeben. Was hatte es damit auf sich?
Wolle: Die Resonanz war schon nicht so wie erwartet, aber das war nicht der Punkt, warum wir uns geäußert haben. Die meisten Leute haben sich wirklich gut benommen, leider kam es am Ende der Marschkolonne zu einigen Sachbeschädigungen, was sowieso, aber vor allem in der eigenen Stadt, indiskutabel ist. Der erste Marsch vor gut einem Jahr ist super gelaufen. Vielleicht war der diesjährige auch ein bisschen zu künstlich initiiert. Für uns ist das Thema Derbymarsch erst einmal vom Tisch.

Stadionwelt: Europa: Nach einiger Zeit ist Euch mal wieder die Qualifikation geglückt.
Wolle: In den letzten Jahren waren die Sommertrainingslager ein regelrechter Ersatz dafür, dass wir international nicht vertreten waren. Dieses Jahr merkt man schon, dass die Beteiligung daran geringer ausfällt, weil alle ihr Geld für den UEFA-Cup sparen. Wenn uns das Los nicht gerade in die entlegenste Gegend des Kontinents führt, wird sich der BVB garantiert über eine große Unterstützung freuen können. Die Szene ist auf jeden Fall heiß auf Europa.

Stadionwelt: Auch dieses Jahr war sportlich wieder eine durchwachsende Saison. Wie ist die Stimmung im größten Stadion der Republik und wie ist das Verhältnis der Gruppen in der Szene untereinander?
Wolle: Innerhalb der Szene funktioniert es weitestgehend gut. Desperados, Junge Borussen und wir verstehen uns bis auf ein paar kleine Reibungspunkte gut. Die Stimmung im Stadion ist schwer einzuschätzen: Zuhause ist sie alles in allem durchwachsen und nicht berechenbar. Dadurch, dass wir seit zwei Jahren unten auf der Süd stehen, haben wir aber mehr Leute als früher zum Mitmachen bewegen können. Auswärts sage ich, obwohl ich diesbezüglich sehr kritisch bin, ist die Stimmung größtenteils gut.

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Dortmund auswärts in Bielefeld.
Bild: DSC-LAGE – www.dsc-lage.de.vu

Stadionwelt: Auch die Amateure erfreuen sich einer regelmäßigen Unterstützung, oder?
Wolle: Das ist wahr. Die Spiele unserer Amas werden immer stark frequentiert. Nicht erst seit kurzem, sondern diese Sache ist seit vielen Jahren gewachsen. Über die Jahre hat sich da viel entwickelt. Vermutlich hat das auch damit zu tun, dass man am Rande der Spiele mehr machen kann und eine willkommene Abwechslung zum Bundesligaalltag gegeben ist. Gerade jetzt, wo es um die Qualifikation für die neue dritte Liga geht, merkt man wie viele Emotionen von den Leuten in die Zweite investiert werden.

Stadionwelt: Momentan werden die Vorschläge für die Anstoßzeiten der ersten und zweiten Liga ab der übernächsten Spielzeit heiß diskutiert…
Wolle: Die Pläne sind heftig. Uns regt vor allem auf, dass der BVB-Präsident Rauball, der sich selbst als Anwalt der Fans bezeichnet hat, bei diesen Themen voll mitmischt und das ganze als große Errungenschaft für die Zukunft des Sports verkauft. Es wird vergessen, dass TV-Fußball mit leeren Rängen im Stadion nicht verkauft werden kann. Diese Salami-Regelung der Anstoßzeiten führt auf Dauer aber in diese Sackgasse. Beide Interessen – die des Fernsehens und die der Stadiongänger – müssen beachtet werden. Momentan wirkt es so, als wäre der Stadiongänger völlig egal. Alles was zählt ist der Konsument vor der Flimmerkiste. Wie ein „Anwalt der Fans“ die Fans im Stadion so vernachlässigen kann, ist schon bitter. Es wird auf jeden Fall Aktionen zu den Anstoßzeiten von uns geben.

Stadionwelt: Spielt die Europameisterschaft bei Euch eine Rolle?
Wolle: In der Gruppe gibt es ein paar Leute, die fahren werden. Die fahren auch sonst zu den Länderspielen. Diese Leute fahren aber nur als Einzelpersonen und nicht als Vertreter von The Unity. (Stadionwelt, 26.5.2008)

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Halbfinale im DFB-Pokal gegen Jena.
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Dortmund auswärts in Bielefeld.
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