Am 8. Juni spielt die Nationalmannschaft ihr erstes Spiel bei der EM gegen Polen. Was die deutschen Fans in Klagenfurt und Wien erwartet, wie brisant die Gruppe ist und ob es Choreos geben wird, verrät der DFB-Fanbeauftragte Gerald von Gorrissen im Interview.
Drei Choreos und keine riesigen Kopfschmerzen
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Stadionwelt: Die Spannung vor dem EM-Beginn dürfte kaum noch auszuhalten sein, oder?
von Gorrissen: Auf jeden Fall freue ich mich sehr auf das Turnier. Da viele Dinge nicht wirklich planbar sind und eher unerwartet kommen, ist natürlich auch eine gewisse Spannung da.
Auch während der EM wird es Choreos von deutschen Fans zu sehen geben.
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Stadionwelt: Es ist Dein erstes großes Turnier als Fanbeauftragter des DFB…
von Gorrissen: Das ist richtig. Als ich noch für Preußen Münster tätig war habe ich oft Fahrten zu Spielen der deutschen Nationalmannschaft organisiert. 2006 waren wir bei der WM, 2004 ist eine Gruppe von zehn Leuten nach Portugal gefahren. Also sind Turniere für mich nicht neu, im Rahmen meiner Tätigkeit beim DFB stellt die EM aber eine Premiere dar.
Stadionwelt: Gehen beim DFB eigentlich viele Beschwerden über den Mangel an Tickets ein?
von Gorrissen: Die Mitarbeiter vom Ticketing haben alle Hände voll zu tun. Auch weil momentan die Tickets für das erste WM-Quali-Spiel in Liechtenstein vergeben werden. Aber zurück zu den EM-Karten: Teile der Anfragen und Beschwerden landen natürlich auch bei mir auf dem Tisch. Ich kann dann immer nur klarstellen, dass alle Gruppen unter dem Mangel zu leiden haben. Durch die kleinen Kontingente, die sich ja vor allem durch die geringen Stadionkapazitäten erklären, erhalten auch Sponsoren, Landesverbände sowie die Freunde der Nationalmannschaft weniger Karten als üblich.
Stadionwelt: Wird es denn einigermaßen geschlossene Fanblöcke bei den Spielen in den Stadien geben?
von Gorrissen: Jeder Verband hat während der Spiele seinen eigenen Fanblock. Im Falle von Klagenfurt werden die deutschen Fans beide Mal in der Nordkurve sein. Ansonsten wird es durch die Tickets, die in der ersten Verkaufsphase direkt von der UEFA vergeben wurden natürlich Bereiche im Stadion geben, in denen auch verschiedene Fans sitzen.
Stadionwelt: Was genau waren und sind deine Aufgaben in Bezug auf das Turnier?
von Gorrissen: Im Prinzip sind die ähnlich wie bei den Auswärtsspielen der Nationalmannschaft: Ich diene für den DFB in der operativen Phase als Schnittstelle zwischen den anwesenden Fans auf der einen und offiziellen Institutionen wie UEFA, Polizei und Ordnungsdienst auf der anderen Seite. Ich werde bei jedem Spiel im Block stehen und bin für alle ansprechbar. Auf diese Weise kann ich versuchen, wichtige Dinge gleich vor Ort zu klären. Dazu gibt es natürlich die übliche Fanbetreuung, mit der ich im engen Kontakt stehe.
Stadionwelt: Du hast es gerade erwähnt: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Stellen wie der KOS oder den Fanbeauftragten ab?
von Gorrissen: Sehr gut. Viele Fanbeauftragte werden mit ihren Gruppen vor Ort und auch im Stadion aktiv sein. Von Seiten der KOS gibt es wieder die bewährte mobile Fanbotschaft, die mit ihrem zwölfköpfigen Team in den Innenstädten der deutschen Spielorte während der Dauer des gesamten Turniers zu finden sein wird. Dort können sich Fans Infos holen. Zudem wurde der Fanguide wieder aufgelegt und es gibt eine auch während des Turniers ständig aktualisierte Website. Die gesamten Maßnahmen werden übrigens fast komplett vom DFB finanziert.
Stadionwelt: Auf was für Angebote werden sich die angereisten Fans in den Spielorten freuen können?
von Gorrissen: Natürlich gibt es Public Viewing und viele andere Veranstaltungen. Die mobile Fanbotschaft habe ich gerade schon erwähnt. Der Fan Club Nationalmannschaft bietet in Klagenfurt ein Fancamp mit eigenem Rahmenprogramm an. In Wien wird der Fan Club dann an das offizielle Fancamp angegliedert.
Stadionwelt: Die Gruppe, in die das deutsche Team gelost wurde, ist mit Polen, Kroatien und dem Mitgastgeber Österreich hochbrisant. Habt Ihr Bedenken, dass es zu größeren Auseinandersetzungen kommen könnte?
von Gorrissen: Es gibt sicherlich Spiele, die weniger brisant wären. Der Ruf der polnischen Nationalmannschaftsfans ist allerdings sehr viel schlechter als es die Fans letztendlich sind. Auf Nachfrage haben uns polnische Kollegen bestätigt, dass die harte Clubszene eher nicht beim Nationalteam vertreten ist. Auch weil die Gruppen untereinander sehr zerstritten sind. Kroatien ist schwer abzuschätzen, weil man mit dem Auto in zwei Stunden von Zagreb nach Klagenfurt kommt.
Beim Freundschaftsspiel gegen Österreich Anfang dieses Jahres kam zu keinen größeren Auseinandersetzungen.
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Stadionwelt: Und Österreich?
von Gorrissen: In Wien verläuft sich alles viel schneller als im kleinen Klagenfurt. Eine Rivalität ist aber ganz klar da. Man muss abwarten, wie viele deutsche Problemfans zu dem Spiel anreisen. Beim Freundschaftsspiel in diesem Jahr waren etwa 100 bis 120 in Wien. Die Maßnahmen der Polizei – zum Beispiel viele Überprüfungen – tragen dazu bei, dass die Szene relativ verunsichert ist. Die Generalproben in Wien und Basel sind gelungen, weswegen ich keine riesigen Kopfschmerzen bei diesem Thema habe und kein zweites Lens 1998 erwarte.
Stadionwelt: Gab es im Vorfeld Gespräche mit der Polizei?
von Gorrissen: Es gab diverse Sicherheitsworkshops, an denen von DFB-Seite vor allem der Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn teilgenommen hat. Bei einem Besuch in Klagenfurt habe ich die lokale Polizei kennengelernt. Die Beamten dort haben in meinen Augen einen ganz entspannten Eindruck gemacht. Die Polizei wird ähnlich wie schon bei der Europameisterschaft in Portugal nach der 3D-Strategie vorgehen: Dialog, Deeskalation und Durchgreifen als letztes Mittel. Auch eine Delegation der ZIS mit einem deutschen SKB-Team wird am Rande der deutschen Spiele im Einsatz sein.
Stadionwelt: Aufgrund der Nähe werden viele deutsche Fans auch ohne Eintrittskarten nach Klagenfurt und Wien reisen. Könnt Ihr abschätzen wir groß der Ansturm werden wird?
von Gorrissen: Die Frage wurde uns schon häufig gestellt, ist aber nur schwer genauer zu prognostizieren. Persönlich rechne ich bei den Spielen in Klagenfurt mit insgesamt bis zu 30.000 deutschen Fans, in Wien eher noch einige mehr.
Stadionwelt: Gerüchten zufolge sollen die Österreicher für das Spiel gegen Deutschland eine Choreografie planen. Sind deutsche Fans an Euch herangetreten, um herauszubekommen, was im deutschen Block in punkto Choreo möglich sein könnte?
von Gorrissen: Nach jetzigem Stand wird es bei allen Spielen unserer Nationalmannschaft eine Choreo im deutschen Block geben. Das gilt nicht nur für die Vorrunde sondern auch für die drei weiteren möglichen Spiele. Die UEFA stand den Ideen des Choreo-Teams von Anfang an offen gegenüber, fanden sie sogar gut. Selbstverständlich müssen einige Auflagen wie Brandschutzbestimmungen beachtet werden. (Stadionwelt, 20.5.2008)
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