„Als Ultra bin ich ja auch in erster Linie Fußballfan“

Faszination Fankurve 21.11.2007 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Düsseldorf spielt derzeit in der dritten Liga. Trotz eines vorübergehenden Gastspiels, das die Fortunen sogar in die Oberliga verschlug, hat der Club nach wie vor viele Anhänger. Stadionwelt sprach mit Niko Offert von den Ultras Düsseldorf.

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Stadionwelt: Ein alles in allem gelungener Saisonstart und trotzdem gibt es selbst nach Auswärtssiegen Pfiffe. Was genau ist los?
Offert: Die Erwartungshaltung in Düsseldorf ist hoch. Die Leute wollen Profifußball. Ich denke, dass die Ultraszene diesbezüglich noch eher zurückhaltend agiert. Unabhängig von der Liga kommen immer 4.000 bis 5.000 Leute zu den Heimspielen. Bei Erfolg dementsprechend mehr. Wenn das Team dann nicht besonders attraktiv spielt, pfeifen einige Zuschauer eben

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Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Braunschweig.
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Stadionwelt: Viel Unmut machte sich an Trainer Uwe Weidemann fest, der mittlerweile entlassen worden ist…
Offert: Das ist richtig. Die Person Weidemann sorgte auch bei uns für Diskussionsstoff und verschiedene Lager: Den einen kommt es rein auf den Erfolg an, die anderen wollen auch spielerisch etwas sehen. Bei vielen ist vermutlich auch die letzte Saison noch nicht vergessen: Lange Zeit waren wir oben dran und am Ende ging es fast gegen den Abstieg. So fehlt das Vertrauen in die sportliche Kompetenz.

Stadionwelt: Also hatte die teilweise Ablehnung von Weidemann rein sportliche Gründe?
Offert: Ja, menschlich gibt es an ihm nicht auszusetzen. Als Ultra bin ich ja auch in erster Linie Fußballfan, was mitunter vergessen wird. Ich will, dass mein Verein wieder Deutscher Meister wird. Der Erfolg der Fortuna steht für mich im Vordergrund und nicht die Darstellung der Szene oder ähnliches.

Stadionwelt: Neben den Pfiffen gab es aber auch eine Aufkleberaktion am Trainingsgelände und in der Stadt. Der Aufdruck war „Uwe raus“.
Offert: Das war keine Aktion der Ultraszene, sondern von Einzelpersonen.

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Auswärtsspiel in Wuppertal.

Stadionwelt: Erzähl bitte etwas zur Düsseldorfer Ultraszene?
Offert: Mitglieder haben wir um die 100. Im Dunstkreis bewegen sich jedoch 200 bis 250 Personen.

Stadionwelt: Wie ist das allgemeine Verhältnis innerhalb der Düsseldorfer Fanszene zu Euch?
Offert: Ich denke, dass es in der Kurve nur sehr wenige Leute gibt, die keine Meinung zu uns haben: Entweder man findet uns gut oder eben nicht. Hundertprozentig hat sich Ultra in Düsseldorf noch nicht durchgesetzt. Spannungen gibt es auch hier, ganz klar. Schade ist, dass es zu selten zum Austausch und Diskussionen beispielsweise am Fanstand kommt. Positiv erwähnt werden sollte, dass sich jüngere Leute immer häufiger in unsere Richtung orientieren. Zudem sind wir nicht ganz unschuldig, dass sich auch urbane Kulturen – wie Skater oder Punks – plötzlich für Fortuna interessieren.

Stadionwelt: Möglicherweise wird die erste Mannschaft nie mehr am Flinger Broich spielen. Seid ihr beziehungsweise bist Du in der LTU Arena angekommen?
Offert: So richtig kann ich persönlich keine Verbundenheit zum Stadion aufbauen. Es ist ein kaltes, kommerzielles, steriles Ding, in dem es an Atmosphäre mangelt. Ein Problem sind die fehlenden Stehplätze. Es wurde mal angeboten, in den Ecken rechts und links neben der jetzigen Kurve zwei Blöcke mit jeweils 700 Stehplätzen zu schaffen, aber das hätte eine Teilung der Kurve bedeutet. Es ist wohl so, dass das Stadion aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht für Stehplätze konzipiert worden ist. Folglich müsste eine Menge investiert werden und ein Drittligist, der das Stadion lediglich zwischen Konzerten nutzt, also nicht Eigentümer ist, hat natürlich auch nicht die Lobby.

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Der Start in die Saison war gelungen: Am zweiten Spieltag wurde Essen empfangen.

Stadionwelt: Kannst Du das Verhältnis zum Verein kurz beschreiben?
Offert: Sicherlich ist nicht alles Gold was glänzt – alles in allem ist das Verhältnis aber in Ordnung. Die Fans, speziell die Ultras, sind nicht immer der Buhmann. Zudem bekommen wir einiges an Unterstützung bei der Genehmigung von Choreos und Aktionen. Auch gibt es keine Beschränkung in punkto Doppelhalter und Fahnen.

Stadionwelt: Immer mehr Ultragruppen haben das Credo „Keine Politik im Stadion“ hinter sich gelassen. Ihr habt beispielsweise zur FARE-Aktionswoche einige Aktionen auf die Beine gestellt. Spielt Politik bei Euch eine große Rolle?
Offert: „Keine Politik in der Kurve“ geht gar nicht, weil Fans sobald sie sich in gewisse Dinge, beispielsweise einen Stadionumbau, einmischen immer politisch aktiv werden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir als Gruppe nicht extrem links sind. Antirassismus und Antifaschismus gehören einfach zu einem gesunden Menschenverstand. (Stadionwelt, 21.11.2007)

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Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Braunschweig.
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Auswärtsspiel in Wuppertal.
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Der Start in die Saison war gelungen: Am zweiten Spieltag wurde Essen empfangen.
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