TV: Der große Profiteur

Faszination Fankurve 10.10.2007 0 Kommentare

Foto: Matthias

Gleich sechs der insgesamt zehn Begegnungen der Serie A wurden am vergangenen Wochenende mit der höchsten Sicherheitsstufe, „Risiko 4“, eingestuft. Von den damit verbunden Beschränkungen profitiert nicht zuletzt auch das Bezahlfernsehen…

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Die Zeiten der großen Choreos, hier beim AC Mailand, scheinen zumindest vorerst vorbei.
Bild: Matthias

Die Einstufung als Risikospiel bringt für die Fans nämlich erhebliche Schwierigkeiten mit sich, Tickets zu erwerben. Das entsprechende Beobachtungsgremium des Innenministeriums bestraft dabei Fanszenen, die in den vergangenen Wochen negativ auffielen, durch zusätzliche Sanktionen: So wurde den Napolitifosi aufgrund der Vorfälle der vergangenen Wochen (Stadionwelt berichtete) die Reise zum Auswärtsspiel bei Inter Mailand untersagt. Der Gästebereich des San Siro Stadions blieb geschlossen, Karten konnten nur in Mailand selbst erworben werden – was viele in der Lombardei ansässige Napolifans prompt ausnutzten, um sich dennoch mit Tickets für andere Sektoren des Stadions auszustatten. So kam es, dass am Samstagabend fast 3.000 Fans des Erstligarückkehrers die 1:2 Niederlage ihrer Mannschaft gegen den Meister sahen. Während die organisierten Gruppen aus der süditalienischen Metropole natürlich – bis auf einzelne Vertreter – fehlten, kam es, dank der „umsichtigen“ Entscheidung des Beobachtungsgremiums, den Gästebereich zu schließen, zu Angriffen der Interisti auf die auf der Tribüne anwesenden Neapolitaner und zu Jagdszenen um das San Siro Stadion.

Auch Juventus Turin musste derweil auf die Unterstützung seiner Anhängerschaft beim brisanten Spiel in Florenz verzichten: Wegen der Ausschreitungen vor dem Turiner Derby in der Vorwoche wurden auch hier keine Gästekarten verkauft. Beim Stadtrivalen Torino hatten sogar nur Dauerkarteninhaber die Möglichkeit die Begegnung im heimischen Stadio Olimpico gegen Sampdoria zu verfolgen. Obwohl das granatrote Turin eine historische Freundschaft mit den rotblauen Genoani verbindet, entfiel der komplette weitere Kartenvorverkauf aufgrund der Geschehnisse beim Derby.

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Torino-Anhang im Stadio Olimpico.
Bild: Thomas Hillinger

Bei den weiteren mit „Risiko 4“ eingestuften Partien, Catania gegen Livorno, Genoa gegen Cagliari und Palermo gegen Reggina konnte jeweils nur ein Ticket pro Person im Verkauf erworben werden.

Dass das Fernsehen von all diesen Einschränkungen beim Ticketkauf im nach wie vor fußballverrückten Italien profitiert, liegt auf der Hand. Die Vorfälle in Mailand geben den jüngsten Entscheidungen der Behörden einen faden Beigeschmack und werfen, wohl nicht zum ersten Mal, die Frage auf, für wen in Italiens Erstligastadien eigentlich noch gespielt wird. Gleichzeitig stellen sich viele Fans die Frage, welchen Sinn die angeblich so effizienten neuen Gesetze mit den Verboten jeglicher nicht angemeldeter Tifomaterialien in den Stadien eigentlich machen, wenn eine sichere Austragung der Spiele vor Publikum offenbar nicht gewährleistet werden kann. So stellen die verschlossenen Türen einzelner Sektoren im Prinzip eine Bankrotterklärung seitens der Politik im Bezug auf fanpolitische Belange dar: Vor der Gewalt wird kapituliert, während es Fans erheblich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht, wird, ihre Mannschaft zu sehen oder etwa mit optischen und akustischen Hilfsmitteln zu unterstützen.

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AS Rom am 4. Spieltag der aktuellen Saison gegen Juventus Turin.
Bild: Matthias Bürgel

Nach der Länderspielpause steht mit Roma gegen Napoli direkt wieder ein Spiel der höchsten Sicherheitsstufe an: In der Vergangenheit gab es bei Aufeinandertreffen der beiden Teams schwere Ausschreitungen – vor allem beim letzten Duell in der Serie A im Juni 2001. Bei den Pokalspielen in der letzten Saison kam es nach dem Hinspiel in Neapel zu gravierenden Auseinandersetzungen zwischen Neapolitanern und der Polizei, so dass das Rückspiel vor verschlossenen Türen stattfinden musste. Die diesjährige Begegnung solle nun wieder vor Publikum ausgetragen werden. Das begründeten die Vertreter der zuständigen Kommission damit, dass die Romanisti bei ihrem letzten Spiel in Parma nicht negativ aufgefallen seien. Die endgültige Entscheidung wird aber erst am Donnerstag dieser Woche getroffen werden. Wie immer diese auch ausfallen mag und was immer auch in anderthalb Wochen im Olimpico geschehen mag, ob vor leeren Rängen oder vor leerem Gästesektor gespielt wird, oder ob es erneut zu blutigen Auseinandersetzungen kommt, das Bezahlfernsehen wird auf jeden Fall live dabei sein. (Stadionwelt / Matthias Bürgel, 10.10.2007)

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Die Zeiten der großen Choreos, hier beim AC Mailand, scheinen zumindest vorerst vorbei.
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Torino-Anhang im Stadio Olimpico.
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AS Rom am 4. Spieltag der aktuellen Saison gegen Juventus Turin.
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