Sven Brux ist Organisationsleiter des FC St. Pauli. Im Sommerpausen-Interview erklärte er das so genannte St. Pauli-Modell zur Regelung der Mitnahme von Supportmaterialien und die „Routine“, die angesichts von Pokalsiegen Einzug gehalten hat.
„Die ganze Verantwortung liegt natürlich bei St. Pauli“
Foto: Bultras Dynamo
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Stadionwelt: In punkto Mitnahme von Fanutensilien ist in der letzten Zeit viel vom St. Pauli-Modell die Rede. Kannst Du uns kurz etwas dazu erzählen?
Brux: In der Vergangenheit gab es auch bei uns eine eher repressive Linie. Die ist zum Teil auf Druck der Polizei umgesetzt worden. Wir hatten das Gefühl, dass es in der Zeit mehr Missbrauch von pyrotechnischen Gegenständen gab als zu einer früheren, eher liberaleren Handhabung. Deswegen haben wir den Beschluss gefasst, den Vorschlägen des Fan-Projekts zu folgen.
Stadionwelt: Wie wird das konkret aussehen?
Brux: Grundsätzlich ist den Gästefans alles erlaubt, was nicht in der Stadionordnung verboten ist. Das heißt, dass auch Doppelhalter, Blockfahnen und so weiter genehmigt werden, die sonst strittig wären. Sollte es einen Missbrauch geben, wird die gesamte Szene für fünf Jahre dahingehend bestraft, dass nichts mehr erlaubt ist außer dem Schal um den Hals. Vor dem Spiel wird versucht, genau das über möglichst viele Kanäle an den Gastverein und seine Fans heranzutragen. Die Fans haben selbst in der Hand, was sie zukünftig am Millerntor dürfen und was nicht.
Am 37. Spieltag der letzten Saison gegen Dynamo Dresden.
Bild: Bultras Dynamo
Stadionwelt: Wie steht die Polizei zu dem Modell?
Brux: Wir sind erst einmal froh, nicht auf jeder Sicherheitsbesprechung wieder über das gleiche Thema reden zu müssen. Die Polizei hat sich skeptisch gezeigt, wünscht sich aber einen positiven Ausgang, weil auch sie letztendlich von zufriedenen Gästefans profitiert. Die ganze Verantwortung liegt natürlich beim FC St. Pauli. Sollte ein Gastverein uns im Vorfeld warnen, dass unsere Handhabung aus welchen Gründen auch immer nicht klappen kann, wird das Modell selbstverständlich ausgesetzt.
Stadionwelt: Wie hat die Umsetzung gegen Leverkusen im Pokal geklappt?
Brux: Es gab keinerlei Probleme. Von Seiten der Polizei hätte es allerdings auch keine Einschränkungen gegeben. Am Freitag gegen Köln hätte sich das vermutlich anders dargestellt: Dementsprechend ist das Spiel der erste richtige Test.
Stadionwelt: Anfang März habt Ihr ein neues Modell zu den Stadionverboten vorgestellt. Jetzt der neue Umgang mit Fanutensilien. Wie ist die Reaktion von außen?
Brux: Wir haben das sowohl in Leipzig beim Fan-Kongress als auch bei der Tagung der Sicherheitsbeauftragten in Frankfurt präsentiert. Alles in allem wurde es positiv aufgenommen. Letztendlich ist beides eine langfristige Geschichte, bei der erst nach einiger Zeit ein Fazit gezogen werden kann. Wir sind natürlich sehr gespannt.
Stadionwelt: Apropos Fan-Kongress: Du selbst warst da…
Brux: An sich war der Kongress ein positiver Ansatz. Der DFB war hochrangig besetzt, das war gut. Ich selbst bin lange dabei – nie zuvor ist man mit Vertretern und Entscheidern derartig ins Gespräch gekommen. Zudem muss die Arbeitsdisziplin der Fan-Vertreter gelobt werden. Die war enorm und es wurde ein erstaunlicher Wille zur Änderung gezeigt. Einiges hat beziehungsweise wird sich zum Positiven ändern. Manche Skepsis ist sicherlich nachvollziehbar, kam aber meinem Empfinden hauptsächlich von jüngeren Fans, die die Fortschritte einfach nicht sehen können. So weit haben sich Verantwortliche nie zuvor aus dem Fenster gelehnt.
Stadionwelt: Am vergangenen Woche habt Ihr Leverkusen aus dem Pokal geworfen. Wird das nicht langsam zur Routine?
Brux: Um ehrlich zu ein: Nach dem Sieg waren wir uns einig, dass der Jubel bei Fans und Mannschaft etwas verhalten war. Ein „normaler“ Ligasieg wird ähnlich gefeiert. Keine Ahnung ob das mit den hohen Temperaturen, der Pokalsiegroutine oder sonst etwas zu tun hatte.
Auswärts wird der Gästeblock auch in Liga 2 regelmäßig voll sein.
Bild: Dirk Päffgen
Stadionwelt: Wie sind die Erwartungen aus Fansicht an die Saison?
Brux: Schatten und Licht. Zum einen ist es schön, wieder gegen richtige Gegner und nicht gegen Zweitvertretungen auf Dorfplätzen zu spielen. Und so ziemlich jede Szene kehrt gestärkt aus den Niederungen zurück. Natürlich freuen sich alle auswärts über viele Fans, aber gerade im Süden wird es auch so sein, dass wieder viele Leute im Block sind, die nicht zum Stamm gehören. Die Anstoßzeiten sind ebenfalls nicht unbedingt angenehm.
Stadionwelt: Hat sich die Situation um den Präsidenten Corny Littmann beruhigt?
Brux: In dieser Hinsicht wird es bestimmt nie vollkommen ruhig. Spätestens im Vorfeld der Wahlen, die Ende des Jahres anstehen, werden sich die Gegner wieder formieren. (Stadionwelt, 10.8.2007)
Bild: Bultras Dynamo
Bild: Dirk Päffgen




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