Bei Werder sind die Probleme des Choreoverbots über den Unterrang der Ostkurve nicht durch die Abkehr vom Orange in den Trikots keineswegs in Vergessenheit geraten. Racaille Verte will zumindest zuhause auf Choreos verzichten.
„Wir sind keine Bastelgruppe“
Foto: Faszination Fankurve
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Stadionwelt: Dieses Jahr dürfte sich die schier endlose Trikotdebatte erledigt haben, oder? Immerhin hat der Club ein grün-weißes Hemd auf den Markt gebracht.
Racaille Verte: Wir freuen uns natürlich darüber, dass die neuen Trikots fast komplett grün-weiß sind. Jedoch ist das Thema „Orange“ für uns leider nicht einfach vom Tisch. Der Verein hat in der Vergangenheit versucht Orange zu etablieren und die Farbe ist immer noch präsent. Wir freuen uns über die Entwicklung zu den neuen Trikots, müssen aber erst einmal abwarten, da dies auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung ist, jedoch unklar ist, ob er nicht wieder zurückgegangen wird. Dies werden wir weiterhin kritisch beobachten und uns nicht sofort durch ein grün-weißes Trikot ruhig stellen lassen.
Beim Pokalsieg in Braunschweig am vergangenen Wochenende.
Bild: www.ilseder-loewen.de.tf
Stadionwelt: Ist das „ungeliebte“ Orange noch in Fanartikeln zu finden?
Racaille Verte: Orange ist in Bremen trotz der neuen Trikots überall zu sehen. Die Homepage ist immer noch orange-lastig. Bei den Fanartikeln ist aber ebenfalls, wie bei den Trikots, eine deutliche Verbesserung zu beobachten. War es in der vergangenen Saison beinahe unmöglich Fanartikel ohne Orange zu erwerben, so gibt es nun eine Reihe von grün-weißen Produkten. Dies lässt die Hoffnung zu, dass die Fankurve sowie das ganze Stadion, nun langsam wieder grün-weiß werden.
Stadionwelt: Mitte der Rückrunde verbot der Verein, Choreos über den Unterrang der Ostkurve im Weserstadion auszubreiten. Was ist daraus geworden? Gab es mittlerweile Gespräche – möglicherweise sogar eine Einigung?
Racaille Verte: Uns wurde verboten, Choreos durchzuführen, welche die Fenster der Ostkurve-Logen kurzzeitig verdecken, da Logengäste dann das Einlaufen der Mannschaft nur über einen Fernseher sehen können. Wir boten der Vereinsführung ein Gespräch an, doch sie verweigerte dies mit der Argumentation, dass eine Unterhaltung zu dieser Thematik nicht erforderlich sei. Daraufhin führten wir eine Blocksperre durch, um auf die Gegebenheiten aufmerksam zu machen. Auch wenn dieser kurze Boykott recht erfolgreich verlief, kam bis heute kein Gespräch zwischen den Verantwortlichen des Vereins und unseren Vertretern zustande.
Stadionwelt: Gibt es aufgrund des Vereinsverhaltens in näherer Zukunft überhaupt Aktivitäten in Richtung Choreo?
Racaille Verte: Wir werden auf Grund der Einschränkungen, die uns keine vernünftige Choreo mehr ermöglichen, weiterhin auf Choreos im Weserstadion verzichten. Wir hoffen in Zukunft eine Lösung mit dem Verein zu finden, werden uns jedoch nicht auf einen schwachen Kompromiss einlassen. Ganz oder gar nicht, wir sind keine Bastelgruppe. Auswärts ist die Lage anders, dort werden wir nicht generell auf Choreos verzichten, da die Einschränkungen nur für das Weserstadion gelten und wir unsere Mannschaft natürlich bestmöglich, eben auch durch Choreos unterstützen wollen.
Der Meistertitel blieb Werder am letzten Spieltag in Wolfsburg verwehrt.
Bild: www.wobontour.de / WB-Steffen
Stadionwelt: Warum boykottiert Ihr den Ligapokal?
Racaille Verte: Seit zwei Jahren bleiben wir dem Ligapokal fern. Er verkörpert eigentlich genau das, was viele Fans als „modernen Fußball“ bezeichnen und gegen den sie sich aussprechen. Das Fußballspiel ist nur noch minimal wichtig, der Titel nur ansatzweise interessant; was wirklich zählt ist das Preisgeld und die Umsätze der Sponsoren. Hier wird alles ausprobiert, um die Sponsoren in den Vordergrund zu rücken. Der Pokal ist nach seinem Sponsor benannt, Klatschhände werden in den Farben der Sponsoren und nicht in den Farben der Mannschaften verteilt. Natürlich ist diese Entwicklung im normalen Bundesligaalltag leider auch zu beobachten, jedoch nicht in diesem Ausmaße. Zudem wird nur noch in den modernsten Arenen gespielt, wirtschaftsschwächere Vereine werden nicht einmal mehr in der Ausrichtung berücksichtigt. Für uns wurden einige Grenzen überschritten, die uns dazu veranlassten, den sportlich ohnehin relativ unwichtigen Ligapokal nicht mehr zu besuchen. Wir wollten damit ein Zeichen setzen und praktisch die ganze aktive Fanszene Bremens blieb den Spielen fern.
Stadionwelt: In vielen Medien wird über Werder-Fans im Zusammenhang mit dem Abgang von Miro Klose zu den Bayern geredet und geschrieben. Ist das in der aktiven Szene überhaupt ein Thema?
Racaille Verte: Natürlich reden auch wir über unsere Spieler. Jedoch muss gesagt werden, dass Klose in der aktiven Szene sowieso nie den Status erreichen konnte, den er bei vielen anderen Werderfans innehatte. So verlor er den Respekt, den er sich langsam dank seiner Spielweise erarbeitete, relativ schnell durch sein unübersichtliches Wechselchaos. Wir könnten sagen, dass die Art und Weise seines Wechsels und der Fakt, dass er sich nie für die aktiven Fans interessiert hat, ihn nicht vermissen lässt.
Stadionwelt: Könnt Ihr etwas zum Fan-Film “Die Fans sind wir” sagen?
Racaille Verte: Dieser Film wurde im Auftrag des Fanprojektes gedreht und erzählt kurzweilig von den letzten Jahrzehnten der Fanszene Bremens. Unterschiedliche Fans aus unterschiedlichen Zeiten wurden interviewt – Kutten, Trikotträger, Allesfahrer, Ultras – und ausschließlich deren Antworten wurden unkommentiert zu einem Film verarbeitet. Der Film ist gegenüber dem Verein nicht unkritisch und verdeutlicht, dass von der angeblichen Fannähe nicht mehr viel übrig geblieben ist. Da sich die gesamte Mannschaft diesen Film anschaut hat, ist dies vielleicht ein anderer Weg, den Spielern die Sicht der Fans einmal klar zu machen. Wir als Gruppe haben bei diesem Film nicht mitgemacht, da wir verschiedene Bedenken hatten, welche sich im Nachhinein nicht bestätigten.
Stadionwelt: Seid Ihr beim Fankongress in Leipzig gewesen?
Racaille Verte: Ja, wir waren beim Fankongress vertreten.
Stadionwelt: Wie steht Ihr zu den Ergebnissen, die bisher verkündet worden sind?
Racaille Verte: Der Fankongress war natürlich ein erster Schritt. Zufrieden sind wir auf Grund der mangelnden Präsenz von DFB- und Polizeivertretern aber nicht. In manchen AGs hat kein Dialog stattgefunden und die Fanvertreter mussten sich auf das Verfassen eines „Positionspapiers“ beschränken. Das war doch sehr enttäuschend. Vor dem Hintergrund, dass wir keine Erwartungen an den Fankongress hatten, sind wir aber überrascht, dass die entsprechenden Vertreter vom DFB auf der Pressekonferenz doch noch zugaben, dass die Fans häufig willkürlich und ungerecht behandelt werden. Besonders zu nennen sind hierbei die Zugeständnisse, was die Stadionverbote betrifft. Wir hoffen, dass der Dialog fortgesetzt beziehungsweise begonnen wird. Besonders das Thema „Fanutensilien“ ist nur kurz angesprochen worden und sehr enttäuschend verlaufen. (Stadionwelt, 9.8.2007)
Bild: www.ilseder-loewen.de.tf
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