Thomas Emmes ist Mitarbeiter des Fanprojekts München und dort für die Fans von Bayern zuständig. Seit den Vorfällen auf dem Würzburger Rastplatz ist er gefragter denn je. Stadionwelt sprach mit ihm über die aktuelle Situation.
„Es würde ein Loch gerissen werden“
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Stadionwelt: Die letzten Tage waren vermutlich sehr anstrengend, oder?
Emmes: In diesem Jahr waren das vermutlich die meisten Arbeitsstunden. Seit dem Vorfall auf den Würzburger Rastplatz waren es schon zwölf bis 15 Stunden pro Tag.
Stadionwelt: Gestern hat der Verein an 600 Personen Briefe verschickt, die mitteilten, dass der Empfänger für die neue Spielzeit keine Dauerkarte mehr erhält. Bei den 600 soll es sich nach Vereinsaussage um Mitglieder der Schickeria München handeln. Vermutet wird, dass als Grundlage eine zwei Jahre alte Liste genommen wurde, auf der man sich ein jeder beim Umzug in die neue Arena eintragen konnte.
Emmes: Das stimmt wohl und die Aktion wird eine Menge Unruhe in die Kurve bringen. Ob alle Namen auf der Liste Mitglieder der Schickeria sind, ist fraglich. Es haben wohl auch einige Leute Post bekommen, die keineswegs Mitglied sind. Außerdem haben ja auch nicht alle Mitglieder der Schickeria mit den Vorfällen in Würzburg zu tun. Man darf nicht eine komplette Gruppe in Sippenhaft nehmen, weil ein Teil Mist gebaut hat. Aus der Sicht des Fanprojekts ist die Kündigung unverhältnismäßig. Ein ähnliches Vorgehen hatten wir hier ja schon 2003 bei der Meisterfeier. Obwohl ich betonen muss, dass es beim damaligen „Sommertheater“ keine schwerwiegenden Vorfälle gab. Dieses Mal ist die Situation mit der teilseitig erblindeten Frau eine ganz andere.
Stadionwelt: Die Gruppe selber umfasst wohl um die 700 Personen. Würdest Du sie als generell gewalttätig einschätzen?
Emmes: Bei einem Interview habe ich neulich eine Prozentzahl genannt, woraus dann die Zahl 35 gemacht wurde. Wir vom Fanprojekt schätzen, dass etwa drei Prozent der Mitglieder zur Gewalt neigen.
Stadionwelt: Wird sich das Fanprojekt in irgendeiner Form für Betroffene einsetzen?
Emmes: Natürlich werden wir uns für die Betroffenen einsetzen und wir werden auch die Schickeria nicht fallen lassen. Egal was die Gruppe macht, also sich trennt, spaltet oder was auch immer, viele der Leute werden sich weiterhin im Umfeld des FC Bayern bewegen. Die Kontaktaufnahme mit dem Verein deswegen könnte allerdings schwierig werden, weil die Gruppe für den FC Bayern als nicht mehr existent gilt.
Sind zukünftig alle ausgesperrt?
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Stadionwelt: Hat Euch der Verein zu konkreten Ereignissen kontaktiert oder um Einschätzungen beziehungsweise Rat gefragt.
Emmes: Alles in allem muss man sagen, dass sich das Verhältnis zwischen Fanbeauftragen und Fanprojekt im Laufe der Zeit, vor allem seit dem „Sommertheater“ deutlich verbessert hat, was auch, aber nicht nur mit der Person Andreas Brück zu tun hat. Mit Raimond Aumann ist es ebenfalls viel konstruktiver geworden, obwohl wir oft anderer Ansicht sind. In diesem Rahmen haben wir uns natürlich ständig über die Fans des FCB, inklusive Schickeria ausgetauscht.
Stadionwelt: Uli Hoeness hat für die neue Saison eine ganz neue Südkurve angekündigt…
Emmes: Ich bin gespannt, was er sich darunter vorstellt. Er hat ja kürzlich einen vollkommen neuen Kader angekündigt. In dem Bereich kennt er sich aus, das wird er gut machen. Ich nehme mir aber heraus zu hinterfragen, ob er weiß, was eine Kurve braucht. Das ist unser Job!
Stadionwelt: Was würde es bedeuten, wenn die Schickeria künftig tatsächlich nicht mehr im Stadion vertreten sein sollte.
Emmes: Sollte dies der Fall sein, denke ich, dass ein Loch gerissen würde. Ohne weiteres wäre das nicht zu füllen. Man kann nicht irgendwelche Fans in die Kurve stellen und davon ausgehen, dass es der Stimmung zuträglich ist. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Stimmung selbst zwei Jahre nach dem Umzug in die Arena immer noch schlecht ist. (Stadionwelt, 16.5.2007)
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