Das Winterpausen-Interview – Teil 50 „Vom Fernsehturm geschaut“

Faszination Fankurve 14.02.2007 0 Kommentare

Alles in allem verbindet man mit den Fans der Kickers eine friedliche, kreative Fanszene. In der Vorrunde fanden sich die Blau-Weißen plötzlich in einem anderen Licht wieder. Der Fanbeauftragte Sebastian Kreuzer (25) sprach mit Stadionwelt.

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Stadionwelt: Das Pokalspiel gegen Hertha mit dem Becherwurf auf den Linienrichter hat Euch für überregionale Medien interessant gemacht. Vermutlich hättet Ihr lieber darauf verzichtet, oder?
Kreuzer: Das stimmt, darauf hätte jeder allzu gerne verzichtet. Durch den Pokalsieg in der ersten Runde gegen den HSV und den tollen Start in der Liga samt Tabellenführung ist um die Kickers eine kleine Euphorie entstanden. Die Zuschauerzahlen waren mit etwa 5.000 im Schnitt sehr ordentlich. Dann hat es in der Liga einen kleinen Knick gegeben und es kam der Becherwurf.

Stadionwelt: Hat sich bestätigt, dass der Becherwerfer gar kein Kickers- sondern ein VFB-Fan war?
Kreuzer: Der Werfer hatte auf jeden Fall nichts mit den Kickers und der Fanszene zu tun. Er hat wohl eine aktive Vergangenheit beim VfB, allerdings soll diese schon viele Jahre zurückliegen.

Stadionwelt: Normalerweise gelten Kickers-Fans als relativ friedlich.
Kreuzer: Ich denke, dass unser Ruf ganz gut ist. In der Hinrunde gab es nur vereinzelt Probleme mit gegnerischen Gruppen. Auch die Rivalität zum VfB beschränkt sich mittlerweile fast ausschließlich auf die sportliche Ebene.

Stadionwelt: Warum?
Kreuzer: Die interessieren sich im Erfolg kaum für uns. Das merkt man auch an den Zuschauerzahlen. Der harte Kern der Stadiongänger beläuft sich bei uns auf 2.500 Leute, die immer kommen. Der Rest hängt vom Erfolg der Kickers und des VfB ab.

Stadionwelt: Noch einmal zurück zum Becherwurf. Wie ist denn eigentlich die Strafe ausgefallen?
Kreuzer: Die Kickers wurden mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 € und einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestraft. Neben den ausbleibenden Einnahmen kam auf die Kickers hierbei natürlich auch ein Imageverlust zu, dessen Schaden nicht mal annähernd abzuschätzen ist.

Stadionwelt: Wie war dieses „Geisterspiel“?
Kreuzer: Der Aufwand an Polizei und Ordnern war der gleiche wie bei einem normalen Spiel, so dass kein Fan ins Stadion kam. Der Verein hat auf dem Vereinsgelände ein Public Viewing angeboten, das um die 600 Leute wahrgenommen haben. Etwa 15 Fans haben das Spiel allerdings doch gesehen: Vom Fernsehturm aus 200 Meter Höhe. Die Spieler berichteten, dass ab und zu bei Ihnen sogar etwas vom Support angekommen sei.

Stadionwelt: Und wie hat die Szene auf die Bestrafung reagiert?
Kreuzer: Natürlich bestürzt. Ganz plötzlich waren die Kickers in den Medien als unsportliches, teilweise sogar gewaltbereites Publikum verschrien. Vor allem die Ultras waren bestürzt, weil man die Aktion sofort mit ihnen assoziiert hat. Dabei hatten sie damit genau so wenig zu tun, wie jeder andere Kickers-Fan auch. Die Tat eines Einzelnen brachte alle in Verruf. Von der Fanabteilung wurde die Kampagne „Wer wirft, der fliegt“ gestartet, Flyer verteilt und Poster aufgehängt, um klarzumachen, dass solches Verhalten nicht geduldet ist. Die Flyer konnte man unterschreiben und abgeben, als Zeichen dafür, dass man diese Aktion unterstützt und sich als Kickers-Fan klar von derartigen Taten distanziert. 1.000 Stück kamen zurück, das war ein gutes Zeichen, das auch in der Presse wahrgenommen wurde.

Stadionwelt: Ihr bekommt bald ein Netz…
Kreuzer: Das ist eine weitere Auflage, die vom DFB nach der Becherwurf-Geschichte gekommen ist. Auf der gesamten Gegengerade, wo der Fanblock steht und vermutlich auch im Bereich der Gästefans, muss bis zum ersten Heimspiel gegen Ingolstadt ein Fangnetz installiert sein. (Stadionwelt, 14.2.2007)

Bild: Claude Rapp

Foto: Claude Rapp

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