Trotz der Vielzahl an Unentschieden ist die Stimmung in Nürnberg besser denn je. Neuerdings träumen Clubfans sogar von Titeln und Europapokalspielen. Sebastian Grau (26), „Megafonmann“ bei den Ultras Nürnberg, im Gespräch mit Stadionwelt.
Das Winterpausen-Interview – Teil 31Traum Berlin
Stadionwelt: Hat sich die Nürnberger Fanszene mit dem Namen des Stadions schweren Herzens abgefunden oder halten die Proteste unvermindert an?
Grau: Ob sich die Szene mit dem Stadionnamen arrangiert hat, weiß ich nicht. Wir von den Ultras Nürnberg haben uns auf jeden Fall nicht mit der Situation abgefunden.
Stadionwelt: Und wie sieht der momentane Widerstand aus?
Grau: Zum Jahrestag der Umbenennung ist beispielsweise eine große Aktion in Planung, um die damalige Ausrufung des Max-Morlock-Stadions zu feiern und die Betreibergesellschaft aufzufordern, das Stadionumfeld, das mittlerweile nur noch in blau-weiß ausgestattet ist, an die Farben des FCN anzupassen. Damit sollen die Leute wieder erinnert werden. Der durchschnittliche Fan hat sich irgendwo damit abgefunden. Das liegt in der Natur der „normalen Leute“.
Stadionwelt: Wie war die Stimmung bei den vielen Unentschieden in der vergangenen Halbserie? Gerade zuhause ist das ja nichts Halbes und nichts Ganzes!
Grau: Letzte Saison war die Stimmung eher schwach. Nur oben im Block 8 war hin und wieder etwas los. Durch die Umstrukturierung der Kurve vor dieser Spielzeit ist die Atmosphäre deutlich besser geworden. Ich stehe beispielsweise wieder unten statt wie früher im Oberrang und beschalle jetzt die gesamte Kurve. Alle machen wieder besser mit. Zwei, drei Jahre wird es aber wohl noch dauern, bis alles so läuft wie wir uns das vorstellen. Es gab nämlich auch ein paar Totalausfälle wie gegen Schalke.
Stadionwelt: Gerade gegen Schalke, Eure alten Freunde…
Grau: Von der Stimmung waren das häufig eher schwache Spiele. Ich vermute das hat mit der fehlenden Rivalität zu tun. Es ist kein Feuer im Spiel. Außerdem kommen viele Leute, die sonst nicht da sind.
Stadionwelt: Die so genannte Rot-Schwarze Hilfe ist am 1. Januar 2007 an den Start gegangen. Erzähl bitte etwas dazu!
Grau: Mit der Rot-Schwarzen Hilfe soll Personen, die zu Unrecht Strafanzeigen oder Stadionverbote bekommen haben, finanziell unter die Arme gegriffen werden. Dauerhaft soll die Rot-Schwarze Hilfe ein eingetragener Verein werden.
Stadionwelt: Wie wird entschieden, wer etwas von dem eingezahlten Geld bekommt?
Grau: Ein Gremium, das ausschließlich aus Szeneleuten bestehen wird. Unser Capo wird beispielsweise dabei sein.
Stadionwelt: 3.000 Dauerkarten zur Rückrunden, 17.000 insgesamt. In Nürnberg bewegt sich anscheinend etwas.
Grau: Das stimmt! Momentan ist hier alles im Aufschwung. Nürnberg war immer ein schlafender Riese. Und angesichts der guten Bundesligarunde sowie des Pokal-Viertelfinales hoffen viele Clubfans auf bessere Zeiten.
Stadionwelt: Du hast es eben selbst erwähnt: Nach langer Zeit besteht mal wieder die Chance auf einen Titel und Europapokal. Das DFB-Pokal-Viertelfinale zuhause gegen Hannover erscheint machbar.
Stadionwelt: Auf jeden Fall. Den Traum mit dem Club in Berlin zu spielen, haben alle. An den letzten Titel 1968 kann sich kaum einer erinnern, also wäre Berlin das größte Spiel überhaupt.
Stadionwelt: Beim eigenen Hallenturnier gab es eine fette Klatsche gegen den ewigen Rivalen aus Fürth. Ist das der Mannschaft einigermaßen verziehen, weil es nur Halle war?
Grau: Ich war nicht da. Halle hat für mich relativ wenig Bedeutung. Sicherlich ist das für den Club eine gute Einnahmequelle, aber alles in allem eine reine Kommerzveranstaltung?
Stadionwelt: Was ist beim Club sonst noch Thema?
Grau: Alle fiebern der Premiere von Gate 8, der Dokumentation über die Ultras Nürnberg entgegen. (Stadionwelt, 26.01.2007)
Foto: Faszination Fankurve




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