Eine Halbserie im Profifußball haben TuS Koblenz und seine Fans hinter sich gebracht. Ob die Euphorie aus dem Sommer noch vorhält oder mittlerweile der Frust überwiegt, berichtet Daniel Grünewald (27) von Inferno Koblenz im Gespräch mit Stadionwelt.
Das Winterpausen-Interview – Teil 24„Der Verein steht bei Stadionverboten hinter uns!“
Stadionwelt: Der Zuschauerschnitt hat sich zur dritten Liga und vormals vierten Liga mit fast 10.000 erheblich verbessert. Wird auch das Stadion Oberwerth neuerdings von „Eventfans“ überschwemmt?
Grünewald: Sicher! Gegen Köln war es beispielsweise für unsere Mitglieder sehr schwer, überhaupt an Karten zu kommen. Bei solchen Spielen sind plötzlich Leute im Stadion, die sonst nie zur TuS gehen. Viele davon kommen aus dem Umland. Mittlerweile ist das mit den Kartenkontingenten für uns aber geregelt. Wir haben ein Vorkaufsrecht und auch Auswärtskarten vergeben wir in eigener Regie.
Stadionwelt: Wie weit hat sich der Zuschauerzuwachs auch positiv auf die aktive Szene auswirken können?
Grünewald: Bis vor kurzem gab es in Koblenz nur eine überschaubare Fanszene. Viele Koblenzer Fußballinteressierte haben sich Richtung Köln oder Kaiserslautern orientiert. In dem halben Jahr sind vor allem jüngere Leute zwischen 15 und 18 Jahren dazu gestoßen. In Koblenz wächst etwas heran, das auch in schlechteren Zeiten Bestand haben könnte. Aber das braucht Zeit, denn viele Leute hier wissen noch gar nicht so richtig Bescheid, was Fankultur eigentlich ausmacht.
Stadionwelt: Ganz Koblenz hat sich im Sommer über den Aufstieg gefreut. Kurz darauf gab es aufgrund zu vieler Regularien wie beispielsweise Doppelhalter-Pässen den ersten Boykott. Sind die Fans der TuS endgültig in der Realität des Profifußballs angekommen?
Grünewald: Der Boykott wurde lediglich angedroht. Unter anderem hatte der Sicherheitsbeauftragte darauf bestanden, dass es zu jedem Doppelhalter einen Pass geben solle. Also pro Person und Doppelhalter ein eigener Pass. Wie in vielen Dingen haben wir aber mit dem Verein und dem Fanbeauftragten diesbezüglich eine Lösung gefunden. Überhaupt muss man betonen, dass das Verhältnis zum Verein sehr gut ist.
Stadionwelt: Wie äußert sich das noch?
Grünewald: Wenn es Probleme gibt, werden so gut wie immer Lösungen gefunden. Selbst bei Stadionverboten steht der Verein hinter uns und setzt sich für die Leute ein.
Stadionwelt: Zeitweilig war in der Presse vom „Favoritenschreck“ TuS Koblenz zu hören und lesen. Wieweit meinen die Fans Anteil daran zu haben, dass der Club nicht auf einem Abstiegsplatz überwintert?
Grünewald: Das lässt sich natürlich nur schwer beantworten. In Oberwerth ist die Stimmung oft schwach, was auch mit den baulichen Gegebenheiten des Stadions zusammenhängt.
Stadionwelt: Und auswärts: Konnte sich die für Profiverhältnisse relativ kleine Koblenzer Szene bei den neuen Gegnern beweisen?
Grünewald: Im Gegensatz zu den ersten Befürchtungen haben wir uns selbst in Essen und Kaiserslautern gut verkauft. Leider schwanken die Zahlen sehr. Nach München auf einen Montag fahren etwa 1.500, weil sie in die Arena wollen. In Aue sind es dann nur 50, die Koblenz unterstützen.
Stadionwelt: Am Ende wich die Euphorie ansatzweise dem Frust über die schwachen Leistungen des Teams.
Grünewald: Gefrustet waren die Leute schon, aber Pfiffe und dergleichen gab es nicht. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten, sind die meisten Leute realistisch.
Stadionwelt: Auch bei euch wird über den Neubau/Umbau eines Stadions spekuliert. Erzähl bitte etwas zur aktuellen Situation.
Grünewald: Nach dem momentanen Stand der Dinge wird das neue Stadion wohl im Stadtteil Metternich entstehen. In Planung ist ein reines, voll überdachtes Fußballstadion mit 19.000 Plätzen, davon 7.000 Sitzplätzen. Hinter beiden Toren werden Fans der TuS stehen.
Stadionwelt: Inwieweit erhofft ihr euch Mitspracherechte bei Bau und Gestaltung?
Grünewald: Noch ist nichts fest, deswegen haben wir den Verein bisher nicht kontaktiert. Aber allzu viel Hoffnung braucht man sich eh nicht zu machen, weil das Stadion ein Projekt der Stadt ist. (Stadionwelt, 22.1.2007)
Foto: Nordkurve-Koblenz.de




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