Spitzenplatz in Liga 2 und Choreoverbote. Für die Anhänger des KSC war es eine Hinrunde voller Auf und Abs. Martin Löffler (42) von den Supporters Karlsruhe berichtet im Gespräch mit Stadionwelt über aktuelle Entwicklungen in der Fanszene.
Das Winterpausen-Interview – Teil 22Aufstiegseuphorie vs. Repressionsfrust
Stadionwelt: Nach einer Pyroshow gegen Kaiserslautern gab es ein Choreo- und Bannerverbot. Im November wurde das wieder aufgehoben. Auf Bewährung?
Löffler: Als das mit der Bewährung offenkundig wurde, haben vor allem die Ultras gesagt, dass sie dann die gesamte Rückrunde völlig auf Choreos verzichten werden. Keiner will sich diese generelle Einschränkung der Meinungsfreiheit gefallen lassen. Ich denke aber, dass es in der Rückrunde wieder etwas geben wird.
Stadionwelt: Wie sieht denn das momentane Verhältnis zum Verein aus?
Löffler: Grundsätzlich ist das Verhältnis zum Verein alles in allem ganz gut. Natürlich ist man nicht immer einer Meinung, wenn es um Stadionverbote und ähnliches geht, aber der Verein weiß, was er an uns hat und zeigt das auch oft.
Stadionwelt: Wie?
Löffler: Viele von uns sind Vereinsmitglied. Bei Problemen und Fragen findet man immer offene Türen – die Wege sind kurz. Unser Positionspapier zur fangerechten Gestaltung eines Wildparkum- oder -neubaus wird beim Verein als positive Anregung empfunden. Als Koordinationspartner bei Auswärtszügen sind wir immer gefragt. Die Supporters haben einen eigenen Stand im Stadion, sind in Vereinsgremien wie dem Vereinsrat vertreten.
Stadionwelt: Und wie ist das Verhältnis zur Polizei?
Löffler: Das Verhältnis zur Polizei und zum „Staat“ ist eher angespannt. Zeitweilig war sogar mal von einem totalen Kontaktstopp die Rede, weil sich viele von den Szenekundigen Beamten hintergangen fühlten. Aber auch hier wurden in letzter Zeit wieder Gespräche unter anderem mit dem Einsatzleiter geführt.
Stadionwelt: Herrscht eher Aufstiegseuphorie oder Repressionsfrust?
Löffler: Ganz klar Aufstiegseuphorie. Alleine in der Woche vor Weihnachten hat der Verein 2.000 Rückrundendauerkarten verkauft, insgesamt etwa 8.700. Das ist für Karlsruhe eine bemerkenswerte Zahl. Das Repressionsthema sind mittlerweile alle leid. Außerdem wurde es durch den Tod von Dominik Moser Anfang Dezember in den Hintergrund gestellt.
Stadionwelt: Erzähl bitte etwas dazu…
Löffler: Dominik war langjähriger KSC-Fan und Groundhopper. Er ist bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen, das hat die gesamte Fanszene sehr geschockt. Es war allen wichtig, ihm einen würdigen Abschied zu geben. Neben Aktionen im Stadion fand ein Trauermarsch statt, viele haben schwarze Moser-T-Shirts getragen, 150 Leute besuchten die Beerdigung. Selbst die Rivalen aus Freiburg haben ihre Anteilnahme während des Spiels bekundet. Ein beeindruckendes Kondolenzbuch mit Einträgen aus ganz Europa stand im Internet.
Stadionwelt: Noch einmal zurück zur Polizei. Hat die sich auf dem Trauermarsch zurückgehalten?
Löffler: Die waren ziemlich kooperationsbereit. Im Vorfeld wurde alles besprochen. Die Polizisten haben den Straßenverkehr abgesperrt und sich sonst im Hintergrund gehalten.
Stadionwelt: Laut Kicker vom Montag hat Manager Rolf Dohmen im Trainingslager mit Fans der Sektion Stadionverbot gefeiert? Ist da etwas dran?
Löffler: Für die Presse ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Es handelt sich um Karlsruher Ultras, die ein Banner mit dem Aufdruck Sektion Stadionverbot dabei hatten. Das ist natürlich doppeldeutig gemeint. Unter den 30 Personen in Belek waren auch ein paar Stadionverbotler. Es spricht für den Verein und die Person Rolf Dohmen, dass das Gespräch zu ausgesperrten Fans gesucht wird.
Stadionwelt: Wie sieht es denn mit dem Umbau des Wildparks aus?
Löffler: Wir sind der Meinung, dass in dem Bereich viel zu wenig passiert. In Stuttgart wird über so etwas nicht lange debattiert, sondern gebaut. Hier in Karlsruhe ist die Lage offensichtlich schwieriger. Schon im Juni haben wir ein Positionspapier erarbeitet und auf unserer Homepage veröffentlicht, in dem unsere Wünsche und Anregungen aufgelistet sind. Leider ist der Verein nicht mehr der vorrangige Ansprechpartner, sondern Bauherr ist jetzt die Stadt. Der Gemeinderat trifft die Entscheidung über das Stadion. Deshalb haben wir auch die Fraktionen im Gemeinderat angesprochen und werden unser Anliegen dort vortragen.
Stadionwelt: Was sonst bewegt die Supporters Karlsruhe dieser Tage?
Löffler: Ab dem Spiel gegen Offenbach werden wir Jugendmannschaften samt Betreuern kostenfrei in den Wildpark einladen. Die Karten bezahlen die Supporters. Wir erhoffen uns davon eine engere Bindung an den Verein und dauerhaft natürlich auch neue Anhänger. (Stadionwelt, 19.1.2007)
Foto: Baden Maniacs




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