Toni Schley (21) von der Horda Azzuro und ehemals Vorsänger bei CZJ berichtet im Interview mit Stadionwelt von stillen Protesten und Geburtstagsfeiern, wie wenig Flair die neue Liga verbreitet und warum der Fußball dennoch intensiver gelebt wird.
Das Winterpausen-Interview – Teil 20„Kein größeres Flair als dritte Liga“
Stadionwelt: Neun Jahre war Jena ohne Profifußball. Für die Jüngeren in der Fanszene war das vergangene halbe Jahr eine neue Erfahrung!
Schley: Wir haben uns in der Sommerpause viele Gedanken gemacht, wie die zweite Liga werden könnte. Uns war bewusst, dass es viele Freitagsspiele geben wird. Leider ist das auch so eingetroffen. Zuhause bedeutet das weniger Gäste, auswärts fahren natürlich auch weniger mit. Aber alles in allem sind die Heimspiele mit der dritten Liga durchaus vergleichbar. Mehr Flair hat die zweite Bundesliga auch nicht. Die Stimmung ist alles in allem aber besser, weil wir als Gruppe natürlich intensiv Woche für Woche daran arbeiten.
Stadionwelt: Wie wirkt sich die neue Liga auf die Szene aus?
Schley: Auf die aktive Szene macht sich das noch nicht bemerkbar. Aber es gibt natürlich mehr Zuschauer und wir schauen uns gezielt nach Nachwuchs unter den Jüngeren um. Der Ansturm auf unsere Nachwuchsgruppe „HArakiri“ ist in diesen Monaten sehr groß, der Überblick fällt manchmal sogar schwer!
Stadionwelt: Seit längerem fordert ihr einen gemeinsamen Heimblock in der Südkurve des Ernst-Abbe-Sportfelds. Wie ist der momentane Stand der Dinge?
Schley: Wir sind mit der Situation ziemlich unzufrieden. Ab der Rückrunde wird die Südkurve zur Hälfte für die Gäste und zur Hälfte für uns geöffnet werden. Wir nutzen die Möglichkeit, um auf die Vorteile hinzuweisen. Es bleibt spannend…
Stadionwelt: Als Protest gegen Stadionverbote habt ihr bei einem Heimspiel 365 Sekunden nicht gesungen und angefeuert!
Schley: Ja, es war ganz einfach an der Zeit, nach einem Jahr Stadionverbote und vielen kleineren Aktionen eine größere Sache zu machen, die sich der Aufmerksamkeit sicher sein konnte.
Stadionwelt: Wie war das ehemalige „Freundschaftsspiel“ gegen Aue? Teile der jüngeren Szene wollen von der alten Fanfreundschaft nichts wissen.
Schley: Das ist richtig. Mittlerweile ist Aue zum Glück für die meisten ein Verein wie jeder andere, die jungen Aktivisten hassen Aue, dazu hat das Spiel in der Hinrunde vernünftig beigetragen. Wir haben stattdessen schon seit langem beste Kontakte zu den Fans vom FSV Frankfurt.
Stadionwelt: Was war das Highlight der bisherigen Saison? 13.000 Jenaer in München?
Schley: Für uns war das kein Highlight, sondern eher die erwartete Eventfahrt. Zu Auswärtsspielen nach München oder Köln fahren eben nicht nur die wahren Fans. Unsere Höhepunkte hatten wir in Rostock, als wir gegen den Favoriten einen Punkt holen konnten und die sehr gute Stimmung überzeugte. Ein weiterer Höhepunkt war Unterhaching, gegen die wir an unserem Geburtstagswochenende gespielt haben. So feierten wir unter anderem mit einer 5 Jahre-Choreo.
Stadionwelt: Wie steht ihr dazu, dass ein Sponsor den Fans eine kostenfreie Bootsfahrt beim Auswärtsspiel in Köln spendiert?
Schley: Es handelt sich um einen Sponsor, der wie keiner jemals zuvor auf Fans zugeht und sich interessiert. Wir beteiligen uns nicht an der Bootsfahrt, sehen aber absolut keinen Grund, dagegen Front zu machen.
Stadionwelt: Was war sonst noch ein Thema in Jena?
Schley: Man freut sich mehr über einen Punkt oder ein Tor als noch in der dritten Liga. Das Fußballleben ist intensiver und der Kampf gegen Stadionverbote allgegenwärtig. (Stadionwelt, 19.1.2007)
Foto: Faszination Fankurve




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