Letztlich war in die Hinrunde wie so oft bei Rot-Weiss Essen. Großen Ankündigungen nach dem Aufstieg folgten Querelen in der Zweitliga-Realität. So blickt Andre Severin von den „Ultras Essen“ auf ein diskussionsreiches Halbjahr zurück.
Das Winterpausen-Interview – Teil 15„Wir wollen uns in nächster Zeit mehr einbringen“
Stadionwelt: RWE steht mal wieder auf einem Abstiegsplatz, wie reagiert die Fanszene?
Severin: Die Unzufriedenheit ist schon zu merken. Außerdem ist es ist zwar voll aber schlecht koordiniert. So kann uns der Gästeblock manchmal mit ein paar hundert Leuten überstimmen. Und die Auswärtsfahrer-Szene ist ohnehin überschaubar. Sobald es ein bisschen weiter weg geht, ist das eine Katastrophe. Es gab stimmungsmäßig eigentlich nur zwei richtig gute Spiele, im Pokal gegen Frankfurt und gegen Fürth.
Stadionwelt: Woran liegt es, dass die Stimmung „schlecht koordiniert“ ist?
Severin: Das hängt noch immer mit dem Blockwechsel zusammen, den die Stadt, der Verein und die Polizei erzwungen haben. Dadurch gibt es zwar keinen Radau mehr auf dem Vorplatz, aber die Fangruppen sind über das ganze Stadion verteilt.
Stadionwelt: Zum Saisonauftakt gegen Freiburg habt ihr eine beeindruckende Choreo mit einem „Super-Mario“-Motiv vorgelegt. Wie kam es dazu?
Severin: Das war das Ergebnis einer Ideensammlung vor der Saison. Eigentlich wollten wir damit darstellen, dass wir allen anderen Vereinen „davonspringen“. Daraus ist ja wohl nichts geworden.
Stadionwelt: Ist in näherer Zukunft eine Aktion geplant?
Severin: Für das Heimspiel gegen Kaiserslautern ist etwas Größeres geplant, da unser Verein ja in diesem Jahr hundert wird. Generell haben wir geplant, uns auf zwei bis vier Aktionen pro Halbjahr zu beschränken.
Stadionwelt: Welche Themen waren innerhalb der Fanszene wichtig?
Severin: Natürlich gibt es immer wieder die Diskussionen über „gute“ und „schlechte“ Fans. Für uns als Ultras gab es eigentlich viele erfreuliche Entwicklungen. Unser neues Mitgliedersystem hat sich bewährt. Und die Nachwuchsgruppe „qUErulanten“ für die 16 bis 18-jährigen unterstützt uns sehr gut.
Stadionwelt: Wie steht die Fanszene zu den Neubauplänen, die wegen der sportlichen Unsicherheit derzeit auf Eis gelegt sind?
Severin: Es ist das gleiche wie vor zwei Jahren: Der Verein kündigt an, dass es bei Klassenerhalt ein neues Stadion gibt. Nun sind die Pläne aber wieder in der Versenkung verschwunden. Die Fans werden da nur alibimäßig miteinbezogen. Die Hoffnung ist nicht mehr besonders groß, dass da etwas passiert. Gerade bei solchen Themen, auch beim Schuldenabbau, gibt es immer nur große Ankündigungen.
Stadionwelt: Wollt ihr als Fans da selbst aktiv werden?
Severin: Ja, wir wollen uns in nächster Zeit mehr einbringen und vielleicht in einige Gremien wählen lassen. Es gibt im Umfeld einige, zu denen wir einen guten Draht haben, andere stehen einer aktiven Fanszene ablehnend gegenüber. Insgesamt läuft die Zusammenarbeit mit dem Verein aber gut, wir haben viel Unterstützung, gerade was Choreos angeht. Was die Mitsprache angeht, könnte man aber noch einiges machen. (Stadionwelt / Felix Guth, 17.01.2007)
Foto: Faszination Fankurve




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