Jan Museler (23) von der Haching Supporters Crew im Interview mit Stadionwelt über eine ruhige Halbserie, das gestörte Verhältnis zum Fanbetreuer und die Gründe, warum selbst das ehemals beschauliche Unterhaching ins Blickfeld der Polizei geraten ist.
Das Winterpausen-Interview – Teil 14Die Achse des Bösen?
Stadionwelt: Wie war das halbe Jahr in der „Derbyliga“?
Museler: Sehr durchwachsen! Burghausen beispielsweise war im Vergleich zu den vorherigen Saisons enttäuschend. Augsburg ist für uns schon ein besonderes Spiel, aber bei den meisten Stadionbesuchern in Unterhaching wird das nicht als Derby angenommen. Auf der anderen Seite gab es aber auch erwähnenswerte Auswärtsspiele in Fürth und Nürnberg. Wir waren immerhin mit 300 bis 400 Leuten vor Ort, was für unsere Verhältnisse recht gut ist.
Stadionwelt: Beim Spiel in Fürth gab es einige Verhaftungen. Bisher waren Unterhachinger Fußballfans von solchen Dingen eher nicht betroffen.
Museler: Das Potenzial an Gewalt nimmt derzeit zu, darunter müssen wir alle leiden. Selbst bei unscheinbaren Spielen wie gegen Kaiserslautern gab es kleine Auseinandersetzungen, die dann auch von der Polizei registriert wurden. Zu Fürth: Es waren wohl insgesamt 13 Ingewahrsamnahmen, teilweise vielleicht berechtigt, in ein paar Fällen allerdings noch total ungeklärt. Allgemein muss man feststellen, dass die Polizei in ihren Methoden immer extremer wird. Warum weiß keiner ganz genau, es scheint ein Trend in der Bundesliga, speziell in Bayern zu sein. Zu unseren Zivilbeamten besteht ein sehr gutesVerhältnis.
Stadionwelt: Das Spiel gegen die Löwen entwickelt sich mehr und mehr zum ernstzunehmenden Derby mit guten Zuschauerzahlen.
Museler: 1860 war auf jeden Fall der Höhepunkt der Hinrunde. Zudem haben wir die Garantie, gegen die nicht zu verlieren. Aber auch stimmungstechnisch ist das grundsätzlich ein besonderes Spiel. Es wird viel über Erfolgsfans geschimpft. Bei Haching sind wir über jeden froh, der im Stadion ist und auch wiederkommt. Das Derby gegen Sechzig bietet uns die beste Möglichkeit, Eigenwerbung zu betreiben.
Stadionwelt: Kann eine Abgrenzung zu den beiden großen Rivalen dauerhaft überhaupt gelingen?
Museler: Zu 1860 auf jeden Fall. Mit Bayern ist das anders: Es gibt Leute in der breiten Fanmasse, die sowohl für Bayern als auch für Unterhaching sind. Unter den aktiven Fans spielen Sechzig und Bayern keine Rolle. Bei Haching ist man nicht einer von Tausenden, sondern kann sich als Fan sehr gut einbringen. Von daher wird Haching auch immer seinen eigenen Charme haben, der den Unterschied zu den großen Vereinen ausmacht.
Stadionwelt: Gibt es Szeneüberschneidungen mit Bayern oder Sechzig?
Museler: Nein, die aktiven Szenen betrifft das nicht. Man kennt sich, aber mehr ist da nicht.
Stadionwelt: Mittlerweile werden Ultras in den meisten deutschen Stadien nicht mehr kritisch beäugt. Wie ist das in Unterhaching?
Museler: Wir von der Supporters Crew verstehen uns selbst nicht als Ultras, aber es gibt in dem Bereich für Hachinger Verhältnisse viel Nachwuchs. Neulich hat sich eine eigenständige Jugendgruppe von 15 bis 19-Jährigen gegründet. Gemeinsam werden wir versuchen, die Hachinger Fanszene weiter zu entwickeln und auszubauen.
Stadionwelt: Wie erklärt ihr euch so ein Wachstum?
Museler: Ich denke, das wird auch mit der Arbeit der Supporters Crew zusammenhängen. Wir bestehen seit sechs Jahren. Langsam trägt die Fanarbeit Früchte, indem Jugendliche an den Verein gebunden werden. Es sind vor allem Jugendliche aus dem Umland, die die SpVgg Unterhaching für sich entdecken und hier etwas mit bewegen wollen.
Stadionwelt: Vor einiger Zeit war das Verhältnis zum Fanbeauftragten Michael von Hammerstein derart belastet, dass gar nicht mehr miteinander geredet wurde. Wie sieht das heute aus?
Museler: Unverändert schlecht! Bei Problemen wird er einfach übergangen, und man sucht sich andere Ansprechpartner innerhalb des Vereins gesucht. Die Ablehnung kommt aus so ziemlich allen Fangruppen.
Stadionwelt: Woher stammt diese Ablehnung?
Museler: Das hat viele Gründe. Zum Beispiel schmeißt er falsche Leute aus dem Block, kennt sich in der Szene nicht aus und vermittelt das Gefühl, dass wir, die aktiven Fans, zur Achse den Bösen gehören. Eine Zusammenarbeit ist nicht möglich.
Stadionwelt: Letztes Jahr war die Rede von einer „Mini-Stimmung“ Unterhaching. Was ist davon übrig geblieben, konnte sie eventuell sogar ausgebaut werden?
Museler: Alles in allem ist die Stimmung eher schlechter geworden. Die sportlichen Leistungen zuhause haben ihren Teil beigetragen. Außerdem ist der Heimblock in Haching nicht sehr stimmungsfördernd. Er ist zu weit und flach. Auswärts, wenn man eine größere Gruppe zusammen hat, sieht das teilweise ganz anders aus: Fürth oder auch DFB-Pokal in Nürnberg waren stimmungstechnisch sehr gut.
Stadionwelt: Ansonsten hört man in Bezug auf Fanthemen aus Haching nicht viel.
Museler: Es war definitiv ein ruhiges Halbjahr. Das eine, alles überstrahlende Thema, das uns durch die komplette Serie begleitet hat, gab es nicht. Wir haben einen Fan-Stammtisch eingeführt. Bisher war das ein großer Erfolg, weil auch Fanclubs teilnehmen, bei denen man das eher nicht erwartet hätte. (Stadionwelt, 16.1.2007)
Foto: Stefan Seitz




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