Das Winterpausen-Interview – Teil 2Söldner, Provinzpossen und Gratistanken

Faszination Fankurve 03.01.2007 0 Kommentare

Ende der Saison 2005/06 war der VfL Wolfsburg in aller Munde. Nur knapp dem Abstieg entronnen, boten sich auch der Fanszene Chancen, die Euphorie des Klassenerhalts mitzunehmen. Sascha Neubauer (25) betreut die unabhängige Fanseite www.wobontour.de.

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Stadionwelt: Hat sich durch das enge Zitterfinale gegen Kaiserslautern am Ende der Saison 2005/06 in der Szene etwas bewegt?
Neubauer: Nach dem Spiel gegen Kaiserslautern waren Gefühle aufgekommen, die man in Wolfsburg bisher so nicht kannte. Es war ein besonderes Spiel, das Leute animiert hat, zum VfL zu gehen. Leider wurde vom Verein in der Folge bloß wenig getan. Der Dauerkartenverkauf lief beispielsweise viel zu spät an, deswegen ist die erste Euphorie etwas verflacht.

Stadionwelt: Auch dieses Jahr könnte es wieder knapp werden: Das Saisonmotto war mit der Zaunfahne „Abstiegskampf“ schnell gefunden.
Neubauer: Die Fahne stammt noch aus dem letzten Jahr. Angesichts der gezeigten Leistungen wurde sie aber schnell wieder rausgeholt.

Stadionwelt: Wie sah es generell mit Choreografien in dieser Halbserie aus?
Neubauer: Wir hatten ein paar kleinere Aktionen, beispielsweise Fähnchen oder Luftballons. Große Aktionen gab es definitiv nicht. Das ist in der letzten Zeit weniger geworden.

Stadionwelt: Woran liegt das?
Neubauer: Es haben immer weniger Leute Lust, sich einzusetzen. Aus meiner Sicht wird der Trend Ultrabewegung dauerhaft wieder abflauen. Nicht nur in Wolfsburg!

Stadionwelt: Seit rund einem halben Jahr sind die Supporters Wolfsburg ein eingetragener Verein. Was hat sich durch den Status als e.V. verändert? Ist es schon möglich, eine Bilanz zu ziehen?
Neubauer: Der Verein wurde gegründet, um auch außenstehende Fans, also nicht nur den harten Kern, einzubeziehen. Vorbild sind Organisationen wie z.B. der Supporters Club vom HSV. Nach meinem Stand der Dinge haben die Supporters Wolfsburg momentan 100 bis 150 Mitglieder. Für mich ist das eher enttäuschend. Trotzdem ist das ganze eine gute Idee, die eben Zeit braucht, sich zu entwickeln.

Stadionwelt: VfL-Pressechef Kurt Rippholz sagte anhand einer von Studenten der Uni Göttingen durchgeführten Umfrage, der VfL habe das jüngste Publikum aller Bundesligisten. Kann sich das dauerhaft positiv auf die Masse der Fanszene, vor allem in punkto Auswärtsfahrten, auswirken?
Neubauer: Es stehen tatsächlich viele junge Leute in der Nordkurve. Aber vor fünf Jahren wurde auch schon darüber geredet, dass mehr Leute auswärts fahren, wenn die Jungen erst einmal das richtige Alter erreicht haben. Wo sind diese Leute heute? Ich persönlich glaube nicht, dass bei uns in Wolfsburg ein nennenswerter Schwung Auswärtsfahrer dazukommt.

Stadionwelt: Auswärts scheint die Schar der Fahrer dennoch ein bisschen angewachsen zu sein.
Neubauer: Ein bisschen mehr ist es schon. Sonderzüge gegen Bayern und Aachen ziehen die Leute an. Aber aufgrund der guten Fahrtangebote vom Verein oder den Fanbeauftragten sind die Zahlen alles in allem enttäuschend.

Stadionwelt: Du persönlich fährst nur noch auswärts, warum?
Neubauer: Das hat familiäre Gründe. Ich wollte Prioritäten setzen und habe mich letztendlich entschieden, den VfL nur noch auswärts zu begleiten. Da erlebt man mehr.

Stadionwelt: Ab Januar gibt es ein neues Fanzine namens „Provinzposse“. Erzähl bitte etwas darüber.
Neubauer: Die „Provinzposse“ kommt aus dem Umfeld der Weekend Brothers und wird mit Spannung erwartet. Seit langer Zeit gibt es endlich wieder ein richtiges Zine in Wolfsburg!

Stadionwelt: Und was gibt es sonst noch aus Wolfsburg zu berichten?
Neubauer: Eigentlich nur das Übliche: Söldner ohne Ende, gratis Autotanken im Werk und keinen Bock auf Fußball. (Stadionwelt, 3.1.2007)

Bild: Supporters Wolfsburg

Foto: Supporters Wolfsburg

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