Stadionwelt: Wie hat die Fanszene in Karlsruhe den unerwarteten Kampf um den Aufstieg erlebt?
Haas: Es war eine Saison mit viel Gewinn und wenigen Tiefen. Durch den sportlichen Erfolg ist eine neue Euphorie entstanden. Das war schon fast wieder wie zu Bundesliga-Zeiten.
Stadionwelt: Wie hat sich das konkret bemerkbar gemacht?
Haas: Zunächst einmal natürlich im Zuschauerschnitt, der deutlich angestiegen ist. Aber auch in der Stadt insgesamt. Der KSC war wieder in aller Munde. Vorher war er die graue Maus im Dauer-Abstiegskampf. Jetzt hat der Club wieder sehr viel Aufmerksamkeit bekommen.
Stadionwelt: Hat die aktive Fanszene von dieser Aufmerksamkeit profitiert?
Haas: Die Aktiven sind mehr oder weniger die selben geblieben, und es gab auch nicht mehr und nicht weniger Nachwuchs. Aufgefallen ist, dass die Leute umso satter werden, je mehr Erfolg da ist. Dadurch sind sie beispielsweise bei Protestaktionen nicht mehr so leicht zu motivieren.
Stadionwelt: Kann man bestimmte Punkte in der Saison benennen, an denen die Stimmung sich gewandelt hat?
Haas: Es gab im Prinzip zwei Indikatoren. Die Saison hat schlecht begonnen, hat sich dann aber rasant entwickelt. Zwischendurch waren wir ja sogar für einige Tage Tabellenführer. Im Winter ist es dann ein bisschen abgeflacht, aber die Mannschaft hat sich wieder aufgerappelt. Der Sieg gegen Fürth in der Nachspielzeit war dann ein weiterer Knackpunkt.
Stadionwelt: Die gute Saison blieb letztlich ungekrönt, den Aufstieg schaffte Cottbus. Wie groß war die Trauer darüber in Karlsruhe?
Haas: Es gibt verschiedene Sichtweisen. Natürlich wären alle gerne aufgestiegen, aber viele sind der Meinung, dass es aus sportlicher Sicht zu früh gekommen wäre. Aber vor allem wäre es auch für die Fanszene zu schnell gegangen. Es gibt hier ja noch immer keinen einheitlichen Fanblock. Erst wenn das im neuen Stadion realisiert ist, ist ein Aufstieg angebracht. Zumal das Zweitligaleben durchaus seinen Reiz hat. Die zweite Liga ist eine Pufferzone zwischen Tradition und Kommerz, man hat hier etwas mehr Freiheiten. (Stadionwelt, 01.06.2006)




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