Seit rund eineinhalb Jahren protestieren die Fans von Hannover 96 gegen die überdurchschnittlich hohen Kartenpreise. Jüngst lag im Briefkasten des Vereins sogar das Schreiben eines Anwaltes, der für seine Mandanten die Rückerstattung des Eintrittsgeldes forderte. Doch es gibt gute Nachrichten: Mit Beginn der Rückrunde montiert Hannover 96 neue Schilder an seine Kassenhäuschen. Der 96-Fanbeauftragte Basti Kramer (28) erklärt die Hintergründe der Preissenkung.
Stadionwelt: Es klagten also Fans gegen bereits gezahlte Eintrittspreise?
Kramer: Das ist so nicht ganz richtig. Eine Klage wurde angedroht, aber nicht eingereicht. Die beiden Parteien konnten sich erfreulicherweise vorher einigen.
Stadionwelt: War die Klage „exemplarisch“ gemeint? Ging es nur darum, die Preise anzuprangern?
Kramer: Nein, darum ging es sicher nicht. Sie waren nicht damit
einverstanden, wie mit den betroffenen Fans beim Thema Eintrittspreise umgegangen wurde.
Stadionwelt: Wie sehen die Details der nun beschlossenen Preissenkung aus?
Kramer: Es wird eine Staffelung geben und unterschiedliche Preise für attraktive, mittelmäßig attraktive und eher unattraktive Gegner, wobei die teuerste Kategorie den bisher für alle Spiele geltenden Preisen entspricht. Beispielsweise kosten manche Tribünensitzplätze jetzt 19 statt bisher 26 Euro. Ausgenommen hiervon ist der komplette Nordbereich, da in der Fankurve ohnehin nahezu alle Plätze über Jahreskarten vergeben sind – leider, muss ich sagen, denn gerade die Fans dort hätten profitieren sollen.
Stadionwelt: Ist das nicht unfair gegenüber Dauerkarteninhabern, bei denen die Preise auf anderer Grundlage errechnet wurden?
Kramer: Um das abzufangen haben wir den Dauerkartenbesitzern angeboten, sich die Differenz auszahlen zu lassen oder ihnen eine zusätzliche Karte für eines der kommenden Spiele angeboten.
Stadionwelt: …oder unfair gegenüber den Fans von Bayern, Bremen und dem HSV, deren Vereine in die teure Kategorie eingestuft wurden?
Kramer: Die genannten Vereine praktizieren das ja teilweise auch, denn wir mussten in Hamburg 16 Euro für einen Stehplatz zahlen, was mehr ist, als wir verlangen.
Stadionwelt: Habt ihr eigentlich zu wenige Zuschauer? Im Schnitt „nur“ 32.000, obwohl ihr zwischendurch sogar auf dem 4. Platz standet.
Kramer: Es ist die beste Hinserie seit 42 Jahren gewesen und trotzdem war das Stadion teilweise recht leer. Vermutlich lag das auch an den nicht gerade geringen Preisen, die dann auch noch für eine Baustelle bezahlt werden mussten. Zum Rückrundenstart wird das Stadion jedoch so gut wie fertig sein, und die Fans werden merken, dass sich der Komfort erhöht hat. Dann wird man sehen, ob die Preise akzeptiert werden. Viele sind auch generell nicht mehr in der Lage, bei einem Stadionbesuch mit der ganzen Familie rund 100 Euro allein für die Karten zu bezahlen und gehen dann nur ein Mal pro Saison hin.
Stadionwelt: Ist die Senkung letztendlich ein Eingeständnis an die lang anhaltenden Proteste der Fans?
Kramer: Verantwortliche und Spieler haben auch festgestellt, dass von den teureren Plätzen weniger Unterstützung kommt. Wenn man zudem Stimmen hört, dass Fans jetzt öfter zu den Spielen kommen wollen, dann mag das wohl so sein. Andere Fans hätten sich eher eine gleichmäßigere Senkung gewünscht.
Stadionwelt: Bleibt es beim nun geltenden Preisniveau?
Kramer: Es handelt sich zunächst nur um ein vorläufiges Modell. Für die neue Saison sollte man gemeinsam diskutieren, wie hoch die Preise sein dürfen. Schließlich fordern die Fans Investitionen und wollen Erstligafußball sehen. Allerdings darf man dafür nicht über Leichen gehen, und die Preise müssen auch immer vertretbar blieben. Man muss die soziale und die wirtschaftliche Komponente sehen und hat dann eine Möglichkeit, die Preispolitik zur Zufriedenheit aller im Verein zu gestalten. (Stadionwelt, 01.01.2005)




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