Derby-Choreo mit Hintersinn und Hindernissen

Faszination Fankurve 01.01.2005 0 Kommentare

Derby-Zeit im Revier: Die Fans von Borussia Dortmund bereiten eine Choreo auf der Südtribüne vor – eine Choreo mit Tücken. Daniel Nowara, der Sprecher von „The Unity“, äußert sich zu den Hintergründen.

Stadionwelt: Was waren die Hindernisse bei der Aktion?
Nowara: Erst einmal muss gesagt werden, dass uns zwei Wochen vor dem Derby plötzlich eine Erklärung der Feuerwehr erreichte, in der uns mitgeteilt wurde, dass das verwendete Material in punkto Feuerfestigkeit nicht den Bestimmungen entspräche. Uns traf der Schlag, da dieses Material in den letzten Jahren immer wieder eingesetzt worden war, und ein Gespräch über mögliche Verbote zu jeder Zeit hätte geführt werden können.

Stadionwelt: Wie habt ihr darauf reagiert?
Nowara: Wir entschieden uns weiterzubasteln und suchten parallel den Kontakt zur Feuerwehr. Die galt es zu überzeugen, denn die Unterstützung von Borussia hatten wir. Mit Hilfe der neu gegründeten Fanabteilung kam es zu einem gemeinsamen Gespräch, in dem von schwarz-gelber Seite darauf hingewiesen wurde, dass pyrotechnische Aktionen dank interner Regelungen schon seit Jahren nicht mehr auf der Südtribüne zu sehen sind. Wir haben angeführt, dass es schade sei, wenn man sich so verhält, wie die Feuerwehr es möchte und trotzdem immer wieder nur der eine Grund für ein Verbot genannt wird. Nach einigem Hin und Her gab es ein paar Auflagen von der Feuerwehr, und die Choreo durfte stattfinden.

Stadionwelt: Was stellt die Blockfahne dar?
Nowara: Lange Geschichte. Fangen wir mal ganz vorne an. Schon unsere letzte Choreografie setzte sich mit den Problemen des Vereins auseinander. Damals wollten wir von der finanziellen Lage, die bis dahin einziges Gesprächsthema in den BVB-Medien war, ablenken und auf unsere Vereinsliebe und Ziele hinweisen. Wir nutzten ein altes BVB-Emblem und stellten den Verein und das sportliche Ziel in den Mittelpunkt.
Bei der aktuellen Choreo ist es ebenfalls wichtig, die Entwicklung der ganzen letzten Jahre zu sehen. Der Verein ist von einem Loch ins nächste gestürzt, wobei der Bezug zu den Fans und zum Sportlichen immer mehr zurücktrat. Die aktuelle Blockfahne soll den Finger heben und wieder zeigen, was im Vordergrund steht.

Stadionwelt: Und wie kann man das an der Blockfahne ablesen?
Nowara: Die Blockfahne zeigt eine Gruppe von BVB-Fans, die geschlossen hinter dem Dortmund-Banner steht. Sie zeigen stolz ihre Verbundenheit mit der Stadt Dortmund und dem Verein Borussia Dortmund. Man könnte auch sagen, sie halten als letzte die Farben hoch. Dabei schauen sie nach oben, denn über der Blockfahne sind noch fünf kleine Blockfahnen, die mit Sternen ummalt „BVB 09“ bilden.

„Leuchte auf mein Stern Borussia“ ist ein in der Fanszene gerne gesungenes Lied. BVB 09 soll wieder aufleuchten Und um den Bezug zur Blockfahne und dem Spruchband zu finden: Die Fans sollen wieder stolz zum Stern Borussia aufblicken. „Viele gehen durch die dunklen Gassen, aber nur die wenigsten schauen zu den Sternen auf.“ Damit wollen wir auf die vielen Mitläufer hinweisen, die sich im Dunstkreis unseres Vereins bewegen. Sprich Großaktionäre, erfolgsorientierte Fans, die immer weniger den Verein im Mittelpunkt sehen, sondern nur ihr eigenes Interesse. (Stadionwelt, 01.01.2005)

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