Schon bevor der erste Anstoß der neuen Saison erfolgt ist, hat Stadionwelt sich bei Vertretern der einzelnen Fanszenen der 1. Bundesliga erkundigt, welche Entwicklungen in der neuen Saison anstehen, was die Themen der Kurve sein werden.
In der Ultra-Bewegung der ersten Liga herrscht ein „Glaubenskrieg“. Hinter diesem steckt die Frage: Welche Struktur soll die Gruppe anstreben, um eine möglichst effektive „Arbeit“ zu leisten. Die „Harlekins“ aus Berlin und die „Ultras Nürnberg“ stehen hier für zwei gegenpolige Anschauungen. Letztere streben eine weitaus größeren Einfluss im Verein durch eine höchstmögliche Mitgliederzahl (als Ziel wurden 1000 ausgegeben) an. Die Schwelle zum Beitritt ist deshalb gering: Der Jahresbeitrag beträgt gerade einmal 10 Euro. In der konkreten Umsetzung müssen sich alte wie neue Mitglieder erneut anmelden und sich selber einstufen: entweder als „passive“, als „Interessierte“, oder „aktive“ Mitglieder. Prinzip: Klasse DURCH Masse. Den entgegen gesetzten Weg gehen die Harlekins Berlin. Zwar waren sie seit ihrer Gründung für jedermann offen, doch jetzt wird auf 60 Mitglieder reduziert. Wer dabei ist, legen die aktiven Fans fest und wer nicht aufgenommen wird, der hat die Möglichkeit, in einer Art „Förderkreis“ mitzuwirken. Man will einfach ausschließen, dass Fans nur wegen der gruppeneigenen Fan-Artikel beitreten. Das Prinzip: Klasse STATT Masse.
Doch der Trend scheint ein ganz anderer zu sein. In vielen Städten steht weniger die eigene Gruppe als vielmehr die Stärkung der Gesamtheit der Kurve auf der Agenda. In Mainz, Freiburg, Dortmund und Stuttgart soll es in naher Zukunft zur Gründung eines Fan(Club)-Dachverbandes kommen. Die positiven Erfahrungen, die man beispielsweise in Hamburg mit dem Supporters Club gemacht hat, dienen als Ansporn.
Zweites großes Thema sind die Auswärtsdauerkarten, die in manchen Städten schon etablierte, stressfreie Variante der Kartenbesorgung für die Allesfahrer-Fraktion sind. In Stuttgart und München werden sie eingeführt, in Kaiserslautern und Bochum ist selbiges in Planung.
Die Bemühungen um eine Verbesserung des Supports sind zugleich um so vielfältiger. Die zentraler Blöcke 62 und 64 werden ab 04/05 zur Heimat der sangesfreudigen Fans von Werder Bremen – man erhofft sich eine bessere „Animation“ der restlichen Zuschauer. Und auch die Ultras Hannover werden ihre Plätze in den zentralen Block des Oberranges verlagern, zudem weiter für ihre Lautsprecheranlage sammeln. Eine Neustrukturierung steht im „Borussia-Park“ in Mönchengladbach an: Viele der älteren Fans werden auf die nun reichlich vorhandenen Sitzplätze wechseln, was zu einer deutlichen Verjüngung der (Stehplatz-) Kurve führen wird.
Doch es gibt auch noch echte Innovationen in Deutschlands Fanwesen. Münchens „Club Nr. 12“ arbeitet gerade an der Realisierung eines eigenen Fan-Museums und die Fans aus Bochum und Dortmund werden als erste der Bundesliga ihre Kurve mit Graffiti gestalten können. (Stadionwelt, 01.08.2004)




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